Back to Teatime?

 

Seit rund 2 Wochen verzichte ich – ausnahmsweise und vorläufig auf Espresso und Kaffee.

Und trinke nur Tee, den ich sonst auch trinke, aber nun eben ohne den legendären 5stöckigen Espresso frühmorgens. Das hat eher zufälligen Grund: An einem Wochenende war die Espressodose leer und – uops – ganz ungewohnt kein Reservepäckchen mehr im Hause. Nach dem Wochenende blieb ein paar Tage wenig Zeit für Einkäufe und so blieb es “nur” bei Tee. An einem der ersten Tage rebellierte die Lust auf den fehlenden Espresso zwar in Form von knapp anderthalb Tagen Kopfschmerzen, die ich sonst so nie habe. Bei der Frage, ob die Sucht nach dem kleinen Schwarzen stärker wäre oder ich, regte sich rebellischer Widerstandsgeist und ich beschloss, erst mal auf Espresso zu verzichten. Wenn Sie so wollen: Vorgezogene “Fastenzeit”, die bei anderen ab Aschmermittwoch Diät beim Essen oder vielleicht beim Internet- oder TV-Konsum bedeutet. Warum also nicht mal Fasten = Verzicht auf etwas, das mir schwer fällt? Das einzige, was dabei mir schwer fällt, ist der Espresso. Für andere Süchte bin ich eh nicht gemacht und anfällig.

Bärige tied an der Küste  © Liz Collet

Bärige tied an der Küste © Liz Collet

So wurde umso mehr Aufmerksamkeit wieder dem Tee geschenkt, als sonst ohnehin. Und als erstes mal bei gleicher Gelegenheit alles an Teevorräten gesichtet und bisschen neu umgeräumt und beschlossen, die in einer Reihe von hübschen Teedosen vorhandenen Teesorten und deren Restbestände zu verbrauchen, bevor dann auch neue Teesorten und Tees wieder nachbefüllt würden.

Dabei entstanden zugleich einige Ideen für’s Upcycling einiger Fundstücke beim Umräumen, dazu aber an anderer Stelle dann mehr, wenn diese bearbeitet worden sind. So liess sich der Espresso-Entzug mit Vergnügen an und die Teekannen wurden nur noch kurzzeitig kalt.

Bis nun eine davon Zeichen des Zahns der Zeit zeigt. Seit einigen Tagen macht eine meiner besonders lieb gewonnenen Teekannen Kummer. Ohne ersichtlichen Grund – sie wurde weder angestossen noch Ähnliches als Erklärung dafür – zeigt sie rundum Sprunglinien. Sie leckt zwar (noch) nicht, aber vermutlich wird sie nicht mehr lange standhalten, wenn sie mit heissem Wasser befüllt wird, die Linien sind auch aussen sichtbar und zeichnendie Farbe des schwarzen Tees, den ich in ihr meist aufgiesse.

Nun hat diese Kanne (Pfalzkeramik “Inzell”) nach rund 26 Jahren beinahe täglichem Einsatz im Vergleich zu weniger langlebig gebliebenen anderen Teekannen mehr als geduldig und treue Dienste getan. Aber an manchen Stücken hängt man. In ihrem Fall hatte ich mir damals Stück für Stück nicht nur diese Kanne, sondern das Service zusammengespart und nach und nach auf der Regensburger Dult gekauft. Von dem Service fehlt schon der eine oder andere Teller und Tasse, aber es ist mir deswegen nicht weniger lieb, die Teekanne besonders.

Sie war mit auf einer Hütte oberhalb Schliersees, in der Toscana und am Staffelsee ohnehin jedes Mal dabei.

Langeoog Kamille  4 Teatime © Liz Collet

Langeoog Kamille 4 Teatime © Liz Collet

Und sogar mit Auf Langeoog, als ich dort für eine Woche für die Fortbildungsakademie der Niedersächsischen Ärztekammer als Referentin in einer hübschen Ferienwohnung untergebracht war.

Dort, auf der Insel, finden Sie übrigens auch einen ganz zauberhaften Teeladen, der auch einen Onlineshop führt: Tee & Tradition.Allein der Blick online in den Laden versetzt in Urlaubsstimmung und Teelaune. Und macht es schwer, nicht das eine oder andere Stück Porzellan mitzunehmen  – und unwiderstehlich die Fliesen im weissen und blauen Muster und wunderschönen Motiven. Solche Fliesen sind übrigens Stück für Stück blaue Wunder. Und nicht nur im wörtlichen Sinne. Denn die Fliese, die nach dem letzten Brand wunderschön blau aus dem Ofen kommt, kam dort nämlich mausgrau bemalt hinein. Erst die Reaktion aus Feuer und Farbstoff lässt die Fliese dann in ihrem berühmten Blau strahlen. Ein Effekt, der seinerzeit für die Entstehung des Ausspruchs „ein blaues Wunder erleben“ verantwortlich war. Mehr über Fliesen aus Friesland können Sie auf dieser Seite erfahren. Und im September bei der sog. Atelier Route selbst entdecken: Am  13.+14.9.2014 öffnen 39 Werkstätten in Ostfriesland ihre Türen und bieten  Besuchern Gelegenheit,  Künstler- /Kunsthandwerkerinnen bei ihrer Tätigkeit erleben und gerne auch mit diesen zu fachsimpeln.  Mehr Infos auch hier.

Jener  Wasserturm und eines meiner Bilder davon fand etwas später einen Platz auf dem Cover eines der Langeoog-Krimis aus dem Prolibris Verlag.

Was doppelt freut, weil Teatime und Crime Time jeweils für sich und erst recht in der Kombination für mich immer schon Prime Times sind.

Nun, meine nun an ihre Altersgrenze kommende Kanne  gehörte einfach dazu, morgens die erste Teekanne. Später nachmittags erneut. Dazwischen auch andere Kannen im Gebrauch. Hier wird viel Tee getrunken. 2-3 Kannen vormittags und nachmittags erneut sind durchaus die Regel. Wobei diese parallel mit unterschiedlichen Sorten gefüllt werden, so dass man abwechselnd Teesorten geniessen kann.

Zwei Kannen stehen auf Stövchen, in denen schwarzer Tee und grüne Tees  (gern auch mal aromatisierte wie der “Himmelstau”, der morgens und nach dem Mittagessen besonders angenehm ist) zum Genuss verführen. Eine dritte darf gern sachte nach und nach abkühlen, weil sie mit Tee gefüllt wird, der heiss wie kalt gleichermassen gut tut. Früchtetees beispielsweise. Aber nicht nur. Auch Zitronenverbenentee etwa ist heiss, warm wie abgekühlt wohltuend und Genuss.

Natürlich ist die Kanne der Pfalzkeramik Inzell nicht die einzige Teekanne hier, aber die weiteren sind entweder kleinere (wie diejenige aus dem chinesischen Service) oder die aus einem Tee- und Kaffeautomaten nach dessen Ableben zurückbehaltene Glasteekanne.

Die hübsche weisse Teekanne aus dem Service von V&B “Arco Weiss” , die auch rund 16 Jahre bei mir im Dienst war, hat diesen im vorigen Jahr als Teekanne (sic!) quittieren müssen, weil sie einen Haarriss direkt am Henkel entfaltete, der bei weiterer Nutzung und Anheben sicher den Henkel irgendwann hätte abbrechen lassen. Nun führt sie ein Leben in einer Zweitkarriere als Vase für zarte Blüten, für die Anheben am Henkel nicht nötig ist und für das sie – da sie nicht leckt und undicht ist – die erforderliche Hardware besitzt und optische soft skills entfaltet.

Dieser und der nun weiteren Kanne gemeinsam sind Eigenschaften, die man nicht mehr wahrnimmt, nachdem man sie vor vielen Jahren einmal danach ausgesucht hat. Und auf die man erst wieder achtet, wenn man nach einer neuen Kanne Ausschau hält. Als Ersatz.

  1. Wie gut steht die Kanne, d.h. ist der Boden der bauchigeren Teekannen zwar schmaler als ihr Bauchumfang, aber auch nicht zu schmal im Fuss, um leicht zu kippen?
  2. Ist sie gross genug – Kannen mit weniger als mindestens 1 – 1,2 oder 1,5 L Fassungsvermögen sind eher nichts für mich bei den Lieblingskannen, die bevorzugt im Einsatz sind.
  3. Hat sie eine nicht zu kurze, schnabelige, sondern schöne Tülle zum Ausgiessen, bei der man auch die volle Kanne ohne allzu tief kippen zu müssen, gut an die Tasse und über diese heranführen zu müssen?
  4. Fällt der Deckel der Kanne auch ohne ihn festzuhalten nicht heraus, wenn man die Kanne zunehmend leerend weiter kippt?
  5. Hat der Deckel oder der Griff der Kanne keine allzu fein verschnörkelten Knöpfe oder Verzierungen, die leicht abbrechen, beim Spülen, etwa?
  6. Ist die Kannenöffnung für den Deckel gut für die Teesiebe, die ich verwende und der Henkel vom Bogen her darüber hoch genug, um die Teesiebe auch bequem dort einhängen und dann nach dem Aufguss nass und gefüllt entnehmen zu können?
  7. Tropft die Tülle der Kanne auch nicht?

 Um nur einige Beispiele herauszugreifen, die funktionale Eigenschaften betreffen.

Die vorrangig vor den optischen Eigenschaften und Vorlieben für mich sind. Was nutzt die hübscheste Teekanne mit zauberhaftem Dekor, die permanent tropft oder keinen guten Stand mit einem zu schmalen Fuss auf dem Stövchen hätte? Und da Teekannen bei mir eigentlich sehr lange leben, sind kleine Ärgernisse dann über die Zeit eben nicht so hübsch und je nach Anschaffungspreis beim Porzellan umso ärgerlicher.

Das bedeutet natürlich keineswegs, dass mir Design, Farbe oder auch Muster meiner Teekannen gleichgültig wären, au contraire. Sofern sie ein Muster haben oder Dekor sollte es weder zu blass sein, um langweilig zu wirken, noch zu intensiv, da man sich von letzteren leicht irgendwann “satt sehen kann”.

Weisse Kannen fanden daher bei mir immer gern ebenso Vorliebe, wie eine dunkelblaue 1,5 L Kanne, eine echte englische Teekanne, die ich mir  vor Jahren in dem Teeladen in der Neuhauser Passage kaufte, in der die Tees des Bremer Handelskontors angeboten werden.  Und die ich seit einigen Besuchen Bremens für diverse Kongresse und eigene Vorträge sehr liebe – der Laden in der Böttcherstrasse war und ist einer der schönsten, natürlich.

Eine der Lieblingskannen in Funktion und Design ist übrigens die Ronnefeldt Kippkanne, die allerdings leider nur 0,4 L Inhalt fasst – was für mich bisher ausschlaggebend ist, dass ich sie mir noch nie angeschafft habe, aber immer bevorzugt wähle, wenn sie in dem einen oder anderen Café zur Auswahl vorhanden ist beim Bestellen von Kännchen Tee.

Derzeit irgendwie und vermutlich (hoffentlich) noch in einer der Umzugskisten verschlossen-verschollen ist eine Glaskanne, die mir zu Studentenzeiten meine Herzensfreundin geschenkt hatte. Ich habe sie offenbar so sicher und gut verpackt verstaut, dass sie gut und sicher zwischen die Kisten geraten ist, welche vor allem Archivmaterial beherbergen und “nach hinten” im Keller verstaut wurden. Das dazugehörige Stövchen und die Teetassen jedenfalls sind auch heil über den Umzug gekommen und regelmässig im Einsatz.

Die Suche nach einer neuen Teekanne ist noch nicht abgeschlossen und sicher nicht ohne einem kleinenAusflug zu einem der Läden in der Murnauer Marktmeile oder zum Paul zu entscheiden.

Aber bei der Suche – nebenbei – zufällig entdeckt habe ich ein paar andere hüsche Accessoires für die Teatime. Darüber erfahren Sie unter anderem auch in den kommenden Posts noch mehr.

Zum Thema “tropfende” Teekanne und Tülle habe ich aber hier schon ein paar hübsche Fundstücke:

Dazu gehören diese zauberhaften Exemplare von Tropfenfängern mit Porzellanfigürchen, die auf der Teekanne dann sitzen, wie

Dagegen wirken die Schaumstoff-Tropfenfänger, die Sie vielleicht noch von Ihren Grosseltern auf deren Kaffee- und Teekannen kennen beinahe langweilig, sind aber natürlich ebenso funktionsgerecht.

Nun wird eine der anderen Teekannen noch einmal für den Abend gefüllt. Heute mit Glücksmomenten aus dem Hause Bad Heilbrunn. Einer meiner Lieblingstees, der mit weissem Hibiskus, Zitronengras, Äpfeln, Melisse, Brombeerblättern, natürlichem Aroma, Zimt, Quitten, Orangenblüten und Sonnenblumenblüten ein leicht fruchtiges, zartes Aroma hat und eigentlich den ganzen Tag und bis spätabends angenehmer Begleiter ist.

Mit diesem darf heute der Tag ausklingen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Heute einmal mit diesem Trio. Viel Vergnügen bei den Hörproben dort und beim Reinlauschen.

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