Café Kneitinger in Garmisch-Partenkirchen: Tee, Kaffee und Kuchengelüste

Süsse Verführer: Café Kneitinger GAP© Liz Collet

Süsse Verführer: Café Kneitinger GAP© Liz Collet

Es liegt nicht weit vom Bahnhof in Garmisch-Partenkirchen entfernt und daher zu 50 % meiner Termine, die ich in den vergangenen beiden Jahren in Garmisch-Partenkirchen wahrzunehmen hatte, auf meinem Weg. zu 50% schlicht je nachdem, ob Sie Richtung Kurpark und Fussgängerzone und Richtung der wunderschönen Alten Apotheke und zu einigen der hübschen Geschäfte und Häuser mit Lüftlmalereien unterwegs sind. Oder eben entgegengesetzt Richtung Rathaus, Ludwigstrasse usw.. Das Café Kneitinger.

Obgleich Garmisch-Partenkirchen rund 26.000 Einwohner hat, ist es (auch seit der Zwangsverschwisterung am 1.1.1935 im Vorfeld der Olympischen Winterspiele) keine Stadt, sondern zum einen ein Markt und zugleich Kreishauptort des Landkreises Garmisch-Partenkirchen sowie Zentrum des Werdenfelser Landes und eine von 13 sogenannten leistungsfähigen kreisangehörigen Gemeinden in Bayern. Und weil hier nicht nur im Sommer gelegentlich ein äusserst frisches Lüfterl mit eisgekühlten Regentröpferln herrscht, der frische dicke Hauben auf der Zugspitze selbst im Juni zaubert, die dann herunten im Ort einen geradezu prächtigen Rüscherlregen für Gäste und Einheimische in den Tag legen, bei dem man am besten mit bunten Gummistiefeln durch die hohen und weitläufigen Pfützen auf Wegen und Strassen hüpft und mit kreislaufangekurbelter guter Laune den urlaubswettergetrübten Blutdruck zu bändigen, bevor der nach Wettergarantien im Urlaubsprospekt sucht, ist Garmisch-Partenkirchen außerdem ein Heilklimatischer Kurort.

Ich gebe zu, bei Regen muss man schon eine gewisse Liebe zu Stimmungen und Atmosphäre haben, bei der Wolkenfetzen und Wolkendecken sich bis weit herunter an den umliegenden hängen vor die schönen Berg- und anderen Aussichten drapieren. Wenn Sie – wie ich – Ihre Wiege im Pfaffenwinkel stehen haben und dort auch danach viel Zeit verbrachten, erschüttert Sie weder Schnee am Berg im Sommer, noch im Tal bis weit in April und Mai und schon ab Ende September und Oktober im Tal. Schlechtes Wetter gibt es nur bei der Ernte, aber nicht für den Menschen. Der hat dafür die passende Kleidung und hängt sich die gute Laune an Revers und knöpfelt sie sich mit der Strickjoppe dann mit jedem Knopf in den Tag. Weil’s regnet, wenn man sich drüber grämt, ebenso wie wenn man drüber lacht und das Beste daraus macht. So, wie die drei Mädln, die mit grossem Juchu und viel Spass im Murnauer Kulturpark in Regenjoppen und bunten Gummistiefeln und jede mit einem Stecken einen abgefallenen und noch mit Laub besetzten Zweig mit zwei gabelnden Zweigteilen sowas wie Fischen und Fangen und Abjagen des Zweiges spielten. Mit den Stecken den Zweig aufgabelnd, werfend, fangend, aus dem Teich fischend, von der Wiese, von dem Wasser beim Schaufelbrunnen und so fort und juchzend, als wäre der schönste Sonnenschein und nicht ein Regenwetter, das manche Urlaubsgäste das Warme, wenn schon nicht am liebsten das Weite suchen lässt.

Womit wir beim Thema wären: Was Warmes, zwischendurch, wie einen Tee oder Kaffee. Nachdem ich terminbedingt in den vergangenen beiden Jahren in der Regel nur vorbeigaloppierte am Café Kneitinger beim Weg von und zum Bahnhof, bleib diesmal ein bisserl regenfrische und kühle Luft und vor allem eine zu überbrückende Wartezeit bis zur stündlichen nächsten Abfahrt zurück in die Staffelseemetropole und rüschelregenbedingt hatte die Kamera wenig Lust, draussen Motive einzupixeln. Und da das Bäckerlizl-Herz bis heute nur zu gern in Bäckereien und Konditoreien nicht nur arbeiten, fotografieren, auf Bitte von Bäckern sogar auch in deren Filialen kucken und testen und anschliessend beraten, sondern natürlich auch schnuppern geht, war das Probeschnabulieren überfällig. Und da der Tag seit dem 4 Uhr morgens Espresso noch keine Mahlzeit hatte, liess sich das Nützliche mit dem Vergnüglichen verbinden. Das Café Kneitinger hat eine einladende Wintergartenecke, in der man nicht nur bei sonnigen Tagen, sondern erst recht bei ungemütlicherem Wetter angenehm sitzt. Man kann sich den Spass leisten, Gäste am Nebentisch aus dem Ruhrgebiet oder von sonstwoher damit zu erschrecken, dass “es jetzt grad schön passen würde, wenn jetzt draussen nicht nur Regen die Tische überplätschern täte. Sondern der für abends angekündigte neue Schneefall diese schon mit Hauben zieren würde.” Muss man aber nicht. Die lassen sich so oder so nur zu gern schon mit anderen weissen Hauben lieber trösten, dicken weissen Sahnehauben nämlich auf dem Cappuccino (auf den eigentlich ja nur Milchschaum gehört) oder anderen Heissgetränken, wie Schokolade zur Seelentrösterei. Dazu einen hausgemachten Apfelstrudel oder ein Stück der zahlreichen Kuchen und vor allem verlockenden Torten. Kuppeltorten gibt es mehrere zur Auswahl. Ich war leichtsinnigerweise in Versuchung bei der Amaretto-Mandel-Torte geraten. Für extrem süsse Zähnchen wird diese Torte Paradies pur sein. Wiewohl ich durchaus weiss, dass marzipandeckenüberzogene Kuppeltorten schon wegen eben dieser Marzipandecke immer deutlich süsser auf den Gaumen wirken, als andere Torten, habe ich unterschätzt, dass die Füllung noch süsser, noch mächtiger sein könnte, als sie harmlos zu mir aus der Kuchentecke den Anschein zu erwecken versuchte. Ich hatte nicht mit einer so puren Dröhnung an Marzian und Mandeln gerechnet, sondern es für einen Mandel-Marzipan-Biskuit erklärt bekommen. Eine durchaus sehr leckere, aber eben -CAVE!!³ – extrem süsse Angelegenheit, diese Torte, bei der (jedenfalls) ich bereits vor dem Genuss der ersten Hälfte streiken musste. Zu mächtig, zu süss. Sogar mit dem Tee dazu, den man im Café Kneitinger von Seeberger bezieht und in einer Auswahl von mehr als einem Dutzend verschiedenen Tees in eigener und elegant anmutender Karte offeriert. Schade nur, dass sie dann im Glas serviert werden und nicht in einer schönen Teetasse, bei der sich die Aromen anders entfalten und für meinen persönlichen Geschmack auch optisch und in der Hand mit einer schöneren Teetasse stilvoller geniessen liessen.

Seit Herbst 2011 bietet Seeberger , ein Familienunternehmen aus Ulm mit einer Unternehmenshistorie, die bis 1844 zurückreicht und von dem das Café Kneitinger den Tee bezieht, seinen Kunden aus der Gastronomie, neben seinem umfassenden Kaffee-Sortiment, auch ein neues Tee-Konzept. Mit der Marke JUST T® ging Seeberger eine Partnerschaft mit einem internationalen Teehersteller ein, der ein zeitgemäßes Tee-Sortiment in Top-Qualität bieten will.

Das Café Kneitinger wirbt mit seiner Tradition in Garmisch seit 1920, doch sollte man wissen, dass die derzeitige Inhaberin eigentlich nach eigenen Angaben in ihrer Café-Karte ortsfremd nach Garmisch kam und durch eine Anzeige in einem Fachblatt auf das Café aufmerksam wurde und es dann 2009 übernahm. Auf der Website des Cafés finden Sie diese Information nicht, schon weil diese seit einiger Zeit angekündigt “virtuell renoviert” werde. In der kleinen Karte im Café aber ist das zu lesen , die neben Kuchen aus eigener Herstellung auch übliche Frühstücksangebote und kleine Mahlzeiten offeriert.

Einen (leider für meinen persönlichen Gusto) ein bisserl zu steifen Eindruck mit Bildern aus dem Café bietet dieses Firmen-TV-Video, in dem Sie auch einen Blick in die Kuchentheke erhalten. Was Videos wie diesem leider fehlt, sind mehr persönliche Informationen über die Inhaberin. Ob eine der gezeigten Damen diese sein könnte, kann allenfalls vermutet werden. Schade! Denn diese als Person, deren Werdegang, ein kleines Porträt und am besten auch ein Blick mit ihr und auf die Zubereitung zB einer der Torten, die dabei gezeigt werden könnte, wären interessant und würden ein weniger steifes, persönlicheres und ansprechenderes Bild vermitteln. Auch zu dem, womit man wirbt, eben die hausgemachten Torten. Die Inhaberin legt (nach eigenen Angaben) großen Wert auf Fort- und Weiterbildungen. Sie selbst hat eine Zusatzausbildung als Chocolatière und im Dekorieren von Englischen Torten. Warum also nicht wuchern mit den Pfunden an wunderbaren Zutaten und dem, was sie daraus zaubert und etwas davon zeigen und seiner Herstellung? Es muss ja nicht in allen Rezeptdetails sein, auch wenn das schön wäre. Aber ein Blick über Schulter, ein nettes Gesrpäch mit ihr bei der Herstellung eine der der Torten oder Kuchen oder des Apfelstrudels etwa wäre da eine hübsche visuelle Visitenkarte.

Wohltuend im Café Kneitinger das besonders nette und freundliche, sehr zuvorkommende Personal an Theke und im Service. Schade – die im Video gezeigte Kneitinger Torte war am Tag meines Besuchs nicht in der Theke im Angebot, obgleich ich zur klassischen Kaffeezeit dort war. Ich werde wohl auf eine andere Gelegenheit zur Verkostung hoffen und warten müssen. Wenn ich bei einem weiteren Termin in GAP der sündhaften Versuchung des dortigen Sortiments an Kuchen und Torten erneut nachgebe. Sie lohnen die Sünde.

Wegen der bisserl zu tüchtigen Süsse der Amaretto-Mandel-Torte und wegen des Fehlens der Kneitinger-Torte, die als “Haustorte” nach meinem Gusto zu üblichen Kaffeezeiten in der Theke vorhanden sein sollte, sowie der (wie ich persönlich finde), für edlen Tee wie Darjeeling & Co unpassenden Teegläser leider “nur”:

2 von 3 der Zacken meines Café-Verkostungsdreizacks bekommt das Café Kneitinger.

Konditorei – Café
Kneitinger
Inh. Judith Pfaff
Bahnhofstraße 7
82467 Garmisch-Partenkirchen

Tel.: 08821 24 51
Fax: 08821 730 91 84
info@cafekneitinger.de
www.cafekneitinger.de

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