Freitagnachmittag – auf einen Kaffee mit meiner Münchner Großmutter und Prinzessin Feodora

Kaffee und Schokolade © Liz Collet

Kaffee und Schokolade © Liz Collet

Kleine Zäsur zwischen der Arbeit am Werkeltisch der ausklingenden Woche und dem vor einem liegendem Wochenende.
Mit Kleinigkeiten das Wocheneinde einklingen lassen. Les petits plaisirs de la semaine.

Diese kleinen Täfelchen von Feodora sind eine der Lieblings-Schokoladen einer der beiden meiner Großmütter gewesen.

Von ihr wusste ich auch, dass sie nach einer Prinzessin benannt wurden und daher das kleine stilisierte Krönchen über dem Schriftzug des Produktnamens trügen und auch – sehr klein an der oberen Verpackungskante entlang zu lesen “Prinzessin” zu lesen sein. Die Geschichte dieser Schokolade beginnt mit der Gründung einer Zuckerraffinerie 1826 durch Friedrich Theodor Meyer in Tangermünde.

Diese alte Kaiser- und Hansestadt liegt an der Elbe im Süden des Landkreises Stendal im nördlichen Sachsen-Anhalt  und feiert in diesem Jahr vom 09. bis 11. September 2016 wieder ein Burgfest in der Altstadt und am Elbufer mit buntem Programm für Jung und Alt, Musikanten, Clowns, Artisten und Künstlergruppen. In diesem Jahr ist als besonderes Highlight angekündigt, dass am Samstag um 15:00 Uhr Kaiser Karl IV. mit seinem Gefolge hoch zu Ross durch das Neustädter Tor, die Lange Straße entlang bis hinauf zum Burgberg reiten werde, wo er seine mit Spannung erwartete Rede an das Volk richte. Denn zu Ehren des 700. Geburtstages Kaiser Karls IV. (1316-1378) soll in diesem Jahr auf dem Burgberg ein Mittelaltermarkt stattfinden. Mit historischen Holzspielen in XXL-Formaten, einem Ritterlager des “Altmärkischen Lehensaufgebot”  Apenburg mit Rüstschau, Modenschau und Ritterkämpfen, einer Bogenschießanlage für Kinder und Erwachsene und einer kleinen Feuershow am Abend und vielem mehr sollte für jeden etwas dabei sein. Ein großes Höhenfeuerwerk lässt den Samstagabend ausklingen. Auch am Sonntag wird es ein abwechslungsreiches Programm in der Altstadt sowie auf dem Festgelände Bleichenberg geben.

Die Zuckerraffinerie liegt nicht mehr in Tangermünde.

Das Unternehmen führte später den Namen Zertus GmbH und hatte 1910 begonnen, Pralinen und Schokolade unter dem Produktnamen Feodora herzustellen. Namensgebend war Prinzessin Feodora Adelheid Helene Louise Caroline Pauline Alice Jennyvon Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Durch ihre Mutter war sie die Großnichte der britischen Königin Victoria und ihre älteste Schwester Auguste Viktoria war seit 1881 mit dem Kronprinzen von Preußen und späteren Kaiser Wilhelm II. verheiratet. Feodora war somit die jüngste Schwester der letzten deutschen Kaiserin Auguste Viktoria Friederike Luise Feodora Jenny von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Sie war es, die nach dem Tode Feodoras die Erlaubnis zur Verwendung ihres Namens für die Schokolade erteilte und des Wappens, das an der oberen rechten Kante der Täfelchen zu sehen ist.

Einen hübschen Überblick über die Variationen der Gestaltung der Marke im Laufe der Zeit kann man hier sehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte das Unternehmen seinen Sitze nach Hamburg. Im Auftrag der Firma Hachez aus Bremen  (die zu den weiteren Lieblingsherstellern von Schokoladen und Pralinen meiner Großmutter gehörten) wurde die Schokoladenproduktion fortgesetzt.

Nach einer Beteiligung an Hachez 1953 folgte die komplette Übernahme 1987. Heute firmiert das Unternehmen als FEODORA Chocolade GmbH & Co. KG

Besonders die einzeln gewickelten klassischen Chocolade-Täfelchen in den Sorten Vollmilch-Hochfein mit 37% Kakaoanteil sowie den zwei Edelbitter-Sorten mit 60% Kakaoanteil und 75% Kakaoanteil) liebte meine Großmutter sehr und verschenkte sie auch sehr gern an Enkel und ihren Urenkel, meinen Sohn in der 6-eckigen Geschenkbox.

Aber auch die anderen einzeln gewickelten Täfelchen und Schokoladen und Pralinen erfreuten sich nicht nur bei meiner Großmutter seit Generationen und seit Jahrzehnten großer Beliebtheit.

Hübsch zu verschenken auch sind die Kunst-Klassiker-Täfelchen  in 4 Themenboxen mit je 6 verschiedenen Motiven erhältlich: Vincent van Gogh, Impressionismus, Der Blaue Reiter (eine Box, die  mir auch gerade mit meiner Vorliebe für deren Vertreter und Künstler und das Blaue Land besonders gefällt), Toulouse-Lautrec.

Kaffee und Schokolade © Liz Collet

Kaffee und Schokolade © Liz Collet

Für den Sommer hat man sich beim Hersteller weisse Schokoladentafeln einfallen lassen in drei köstlichen Sorten:

Erdbeer Crispies, Cocos Crunch mit einer Kombination aus exotischem Cocos und knackigen Cornflakes und neu in der Sorte Haselnuss Crisp.

Meine Lieblingssorten für den Nachmittagskaffee oder Espresso aber sind die dünnen Täfelchen Edelbitter-Chocolade und die Cappuccino- und Espresso-Täfelchen.

An den Freitagnachmittagen, in denen ich noch in meiner Isarmetropole lebte und mein Schwabinger Büro zwischen Kurfürstenplatz und Elisabethplatz meist zwischen 12 und 14 Uhr schloß und meinen Sohn vom Kindergarten in Bogenhausen oder auch von der Schule in Pullach abholte und dann mit ihm zu meiner Großmutter fuhr auf einen Kaffee, brachte ich ihr gern eine der 6-eckigen Geschenkboxen mit ihren Lieblingstäfelchen mit. Die man auch in einem kleinen Laden am Kurfürstenplatz kaufen konnte, den es dort für Schokoladen, Kekse, Pralinen und Bonbons seit Jahrzehnten gab und in dem manchmal die Zeit wie stehen geblieben schien seit der Zeit, als meine Großmutter nur eine Strasse weiter in der Isabellastrasse gelebt hatte. Jahrzehntelang und in jenem Laden hin und wieder Schokolade oder Bonbons für uns gekauft hatte.

Vermutlich gefiel ihr dieser Laden auch deswegen so gut, weil sie als junges Mädchen ebenfalls in einem Geschäft gearbeitet hatte und dort oft sah, wie viele Mütter ihren Kindern so wenig kaufen hatten können, in den sog. armen Zeiten. Die meine Großmutter – Jahrgang 1913 – selbst erlebte und deren Alltag und Alltagsarmut sie eben auch an Kindern und Kunden sah. Kinder, die alles andere als Leben von Prinzessinnen und Prinzen führen konnten und kaum genug zu essen hatten.

Ein kleines Täfelchen Schokolade zu geniessen und mit Genuss auf der Zunge zergehen zu lassen, nicht alltäglich und selbstverständlich, selbst wenn man es sich alltäglich leisten kann, sondern noch immer als etwas Besonderes und besonders Gutes zu verstehen, haben viele heute längst, seit Jahren längst verlernt. Mir fällt es gern jedes Mal wieder ein, wenn ich mich an manchem meiner Freitage der Gesellschaft meiner Großmutter freue. Der damals. Und der in Gedanken an sie….beim Kaffee und ………..Chocolade-Täfelchen. Jedes auch einzeln geniessend.

Les petits plaisirs sont toujours les meilleurs.

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Smooth Breeze 7’s Liz  Collet  * Cooking * Bakery * Pâtisserie *

Liz Collet – Photographie & Plus

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