Als der Tee in den Norden kam – Videotipp !

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Teatime © Liz Collet

Tee wächst in über 50 Ländern der Welt – in Asien, Afrika, Südamerika, Australien und sogar auf den europäischen Azoren. In vielen dieser Länder ist Tee zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. Auf Sri Lanka ist die Teeindustrie sogar der größte Arbeitgeber. Wie Tee angebaut und in Handarbeit geerntet wird, können Sie hier lesen, und eine Übersicht mit Beschreibung unterschiedlicher schwarzer Teesorten HIER.

Im 17. Jahrhundert kam der Tee in den Norden Deutschlands, nach Ostfriesland. Und zwar von Holland herüber. Eine schöne und sehr sehenswerte, rund 45-minütige Reportage erzählt darüber mehr und über den Tee, der für viele Menschen im Norden einen großen Stellenwert hat. 

Einen…? DEN grössten Stellenwert könnte man beinahe denken, denn die Ostfriesen sind sogar Weltmeister im Teetrinken: Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 300 Litern im Jahr liegen sie weltweit an der Spitze.

Allerdings nur im Durchschnitt und der liegt weit hinter meinem Jahresverbrauch von Tee von mindestens 3-4 Kannen Tee pro Tag. Und dabei habe ich den Tee noch nicht einmal eingerechnet, welcher als Zutat und Aroma beim Backen in Teig oder Tortencremes, bei Desserts und Parfaits oder zum Kochen verwendet wird.

1610 wurde der erste Tee von Schiffen der niederländischen Kompanie nach Europa und damit auch nach Leer gebracht. Den ersten „echten Ostfriesen-Tee“ mischte Johann Bünting bereits im Jahre 1806 – es war der Anfang einer norddeutschen Dynastie.

Aus seinem kleinen Kolonialwaren-Laden im ostfriesischen Leer wurde ein florierendes Unternehmen mit 14 000 Mitarbeitern. Heute ist Bünting Marktführer in Deutschland, was den Absatz von schwarzem Tee betrifft. Der Film von Johann Ahrends, eine Produktion von “video:arthouse Film und Fernsehen GbR” blickt hinter die Kulissen einer modernen Tee-Produktion, gewährt aber auch viele Einblicke in die Geschichte der Firma Bünting.

Noch heute sind die grünen Tee-Fahrzeuge in den Dörfern unterwegs, um auch kleine Supermärkte zu beliefern. Und im Teehandelshaus in Nortmoor läuft täglich die Produktion des Ostfriesen-Tees. Jedes Jahr im Mai ist die spannendste Zeit der drei Tee-Einkäufer. Dann bekommen sie täglich bis zu 400 neue Teesorten ins Haus, die alle getestet werden müssen. Das Probieren ist eine Wissenschaft für sich – trinken, im Mund spülen und ausspucken – und das mit einer rasanten Geschwindigkeit.

In der Dokumentation sind Sie auch unterwegs mit dem Außendienstmitarbeiter Karl-Heinz Kettwig auf seiner Tour durch Ostfriesland. Seit 27 Jahren beliefert er die kleinen Supermärkte in den Dörfern. Einzelhändler Klaus Schilling aus Ditzumerverlaat kennt seinen Tee-Lieferanten schon seit seiner Schulzeit. Und der Tee hat einen großen Stellenwert – nicht nur hier im kleinen Tante-Emma-Laden nahe der holländischen Grenze.

Die Ostfriesen trinken den ganzen Tag über ihren Tee – von morgens zum Frühstück bis abends vor dem Fernseher.

Diese Teestunde hat ganz besondere Rituale, die seit mehr als 100 Jahren praktiziert werden. So wird der Tee in eine vorgewärmte Kanne geschüttet, muss genau fünf Minuten ziehen und darf nicht umgerührt werden. In der kleinen Porzellantasse knistert beim Einschenken der Kluntje, der Rahm wird auf den Tee gelegt, entgegen dem Uhrzeigersinn.

Ich weiss nicht, wie Sie es mit Zucker in Getränken halten – bei mir kommt schon seit meiner Kindheit in Tee kein Zucker mehr, nicht anders bei Kaffee und Espresso, die ich ein paar Jahre später zu trinken begann. Aber immer wenn ich im Norden zum Segeln oder für einen meiner beruflichen Termine war und bin, im Wattenmeer und auf den ostfriesischen Inseln und auf dem Weg dorthin unterwegs durch Ostfriesland, dann schmeckt mir der Tee tatsächlich nur mit Kluntje und einem Klecks Rahm. Woran immer das liegen mag – an Wind, Wetter und weil er dann die “Energie” und Wärme und Aroma liefert, die der Körper verlangt? Wer weiss das schon? Man muss nicht alles ergründen, was einfach und einfach mit den Geschmackssinnen mal so, mal anders Bedürfnis und Vorliebe ist.

„Wir wollen damit die Zeit anhalten“, erklärt Kulturwissenschaftlerin Celia Hübl, die seit sechs Jahren das Bünting-Teemuseum in Leer leitet. Dort hatte sie im vergangenen Jahr mehr als 12 500 Besucher, die alle diese Tee-Zeremonie mitgemacht haben. „Drei Tassen sind Ostfriesen-Recht“ sagt man hier an der Küste. Und wer keinen Tee mehr mag, stellt einfach den Löffel in die Tasse.

Als Johann Bünting am 1. Mai 1806 seinen ersten Tee im Hafen von Leer entgegennahm, hatte er gerade seinen bisherigen Beruf als Gerichtsschreiber aufgegeben. Er macht sich selbständig, kaufte den Tee ein und mischte ihn zu der heute noch berühmten Ostfriesen-Mischung. Der damals 24jährige Kaufmann gilt damit als Wegbereiter des Ostfriesen-Tees. Zu den fleißigsten Tee-Trinkern gehörten seinerzeit die Moor-Pioniere. Hatten sie sich bis dato hauptsächlich von Bier ernährt, kam jetzt diese „neue Kraut“. Schon Ende des 18. Jahrhunderts war Tee in Ostfriesland das Volksgetränk. Von hier aus breitete er sich aus – nach Schleswig-Holstein, nach Dithmarschen und auf die Insel Helgoland. Mehr zur Chronik des ältesten privaten Teehandelsunternehmens Ostfrieslands können Sie HIER lesen.

Der Film „Als der Tee in den Norden kam“ aus der Reihe „Unsere Geschichte“ dokumentiert die Anfänge des Teetrinkens in Norddeutschland, beleuchtet die Geschichte der Firma Bünting und zeigt auf unterhaltsame und informative Weise, wie der Tee heute noch in der ostfriesischen Kultur verankert ist. Gedreht wurde der Film in Leer, im Rheiderland, in der Krummhörn und in Wiesmoor. Die historischen Szenen inszenierte das Produktionsteam mit Laienschauspielern des Spölerklottje Leer und des Moorvogt-Teams aus Wiesmoor und unterstützt  unter anderem vom Schipper Klottje Leer, vom Heimatmuseum Leer sowie vom Torf- und Siedlungsmuseum in Wiesmoor.

Quelle: Johann Ahrends – Journalist und Filmemacher

Video “Als der Tee in den Norden kam”  – HIER noch in der NDR Mediathek abrufbar

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